Sprachbildung

In der heutigen Gesellschaft ist Alphabetisierung - im Sinne von Minimalvoraussetzungen an Wissensbeständen, Fähigkeiten und Fertigkeiten insbesondere im Lesen, Schreiben und Rechnen sowie im Bereich personaler und sozialer Kompetenzen – eine Grundvoraussetzung.

Dennoch belegen Studien wie die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte "Leo. - Level-One- Studie (Februar 2011), dass 7,5 Millionen Männer und Frauen zwischen 18 und 64 Jahren keine zusammenhängenden Texte lesen oder schreiben können. Zwei Millionen von ihnen fällt das Lesen und Schreiben selbst einzelner Wörter schwer. Bei weiteren 13,3 Millionen zeigen sich große Mängel beim Schreiben und Lesen gebräuchlicher Wörter. Insgesamt weisen also knapp 21 Millionen Menschen in Deutschland Defizite in diesem Bereich auf.
Zudem ist Analphabetismus ist kein Randphänomen der Gesellschaft. 57% der funktionalen Analphabeten und Analphabetinnen sind erwerbstätig. Häufig wird Analphabetismus im Arbeitskontext erst offensichtlich, wenn Veränderungen anstehen.

Dies liegt oft daran, dass die betroffenen Personen Vermeidungsstrategien einsetzten, um nicht aufzufallen. Aktuelle Studien zeigen, dass funktionale Analphabetinnen und Analphabeten sowie Personen mit nicht ausreichender Grundbildung unterschiedliche Strategien im Umgang mit ihren fehlenden Kenntnissen entwickelt haben. Diese reichen von der Aussage "Ich habe die Brille vergessen", bis dahin, dass Nachteile im Arbeitsalltag in Kauf genommen und eigene Rechte vernachlässigt werden. Aufgrund dieser Vermeidungsstrategien ist es für Personen, die in vielfältiger Weise mit den Betroffenen zusammenarbeiten, nur schwer möglich, fehlende Lese-, Schreibund Rechenkenntnisse zu identifizieren und Handlungsbedarfe zu erkennen.